Islamische Werte Kindern liebevoll vermitteln

Islamische Werte Kindern liebevoll vermitteln

Wie können wir unseren Kindern islamische Werte näherbringen, ohne dass sich der Glaube für sie wie eine weitere Schulstunde anfühlt?

Oft beginnt die Antwort nicht mit großen Lektionen, sondern mit den kleinen Momenten des Alltags: mit unserem eigenen Verhalten, gemeinsamen Gesprächen, Geschichten, einem Bismillah vor dem Essen oder einem bewussten Alhamdulillah für etwas Schönes.

Auch aus entwicklungspsychologischer Sicht sind solche alltäglichen Interaktionen bedeutsam. Responsive, wechselseitige Beziehungen zwischen Kindern und ihren Bezugspersonen unterstützen unter anderem die sprachliche und soziale Entwicklung.

Hier sind sieben Anregungen, wie islamische Werte ganz natürlich einen Platz im Familienalltag finden können.

1. Werte vorleben statt nur erklären

Kinder hören nicht nur, was wir ihnen sagen. Sie erleben auch, wie wir selbst handeln.

Wie sprechen wir miteinander? Wie reagieren wir, wenn jemand einen Fehler macht? Sind wir bereit, uns zu entschuldigen? Helfen wir anderen? Begegnen wir unseren Kindern mit Barmherzigkeit?

Gerade der liebevolle Umgang mit Kindern hat auch in der islamischen Überlieferung einen besonderen Stellenwert. In Jāmiʿ at-Tirmidhī 1920 wird vom Propheten Muhammad ﷺ überliefert:

„Nicht zu uns gehört, wer unseren Jüngeren keine Barmherzigkeit erweist …“

Die Überlieferung wird dort als Hasan eingestuft.

Das bedeutet nicht, dass Eltern immer alles richtig machen müssen. Im Gegenteil: Auch wenn wir einen Fehler eingestehen und uns bei unserem Kind entschuldigen, können wir Ehrlichkeit, Respekt und Verantwortung vorleben.

2. Allah im Alltag bewusst Raum geben

Islamisches Lernen muss nicht nur dann stattfinden, wenn wir uns ausdrücklich zum Lernen hinsetzen.

Viele kleine Situationen bieten Möglichkeiten, gemeinsam über den Glauben zu sprechen.

Ein schöner Himmel, ein Tier, eine Blume oder der erste Schnee können Anlass sein, über Allahs Schöpfung zu staunen. Vor dem Essen sagen wir Bismillah, und für das, was uns geschenkt wurde, sagen wir Alhamdulillah.

So können Kinder erleben, dass der Islam nicht nur aus Wissen besteht, sondern zu unserem täglichen Leben gehört.

Dabei braucht es keine langen Erklärungen. Manchmal reicht ein kleiner Satz oder ein gemeinsamer Moment des Staunens.

3. Geschichten gemeinsam entdecken

Geschichten können einen wunderbaren Raum für Gespräche schaffen.

Kinder begegnen darin Figuren, Gefühlen, Entscheidungen und Konsequenzen. Statt eine Geschichte nur vorzulesen, können Eltern zwischendurch oder danach Fragen stellen:

„Wie glaubst du, hat sich die Figur gefühlt?“

„Was fandest du besonders schön?“

„Was hättest du gemacht?“

„Welchen Wert können wir aus der Geschichte mitnehmen?“

Auch pädagogisch ist gemeinsames Lesen gut untersucht. Die American Academy of Pediatrics beschreibt gemeinsames Lesen als eine positive Eltern-Kind-Aktivität, die sprachliche, kognitive und sozial-emotionale Entwicklung unterstützen und gemeinsame Gespräche fördern kann. Besonders interaktives beziehungsweise dialogisches Lesen, bei dem Kinder aktiv in das Gespräch über die Geschichte einbezogen werden, ist gut untersucht.

Ein Buch muss deshalb nicht mit der letzten Seite enden. Manchmal beginnt das wichtigste Gespräch erst danach.

4. Dankbarkeit gemeinsam entdecken

Shukr – Dankbarkeit – hat im Islam einen besonderen Stellenwert.

Im Qur'an heißt es sinngemäß:

„Wenn ihr dankbar seid, werde Ich euch gewiss noch mehr geben.“

Qur'an, Sūrah Ibrāhīm 14:7

Wie können Kinder Dankbarkeit erleben?

Eine einfache Familienidee ist, sich beispielsweise am Abend gegenseitig zu erzählen, wofür man an diesem Tag dankbar ist:

„Alhamdulillah, heute konnte ich mit meinem Freund spielen.“

„Alhamdulillah für unser Essen.“

„Alhamdulillah, dass wir heute zusammen waren.“

Dieses konkrete Ritual ist eine praktische Anregung, keine religiöse Vorgabe. Es kann aber helfen, mit Kindern darüber zu sprechen, was Dankbarkeit bedeutet und die vielen kleinen Dinge wahrzunehmen, die im Alltag leicht selbstverständlich werden.

5. Gute Taten im Alltag erlebbar machen

Begriffe wie Hilfsbereitschaft, Großzügigkeit und Barmherzigkeit werden für Kinder leichter verständlich, wenn sie diese selbst erleben.

Dafür braucht es keine außergewöhnlichen Aktionen.

Vielleicht hilft ein Kind seinem Geschwister beim Aufräumen. Vielleicht teilt es etwas. Gemeinsam kann man einem Nachbarn eine Freude machen oder etwas für jemanden vorbereiten, der Unterstützung braucht.

Statt ausschließlich zu sagen:

„Das hast du gut gemacht.“

können wir manchmal auch die Wirkung sichtbar machen:

„Hast du gesehen, wie sehr sie sich über deine Hilfe gefreut hat?“

Dadurch entsteht Raum, gemeinsam darüber zu sprechen, warum eine gute Tat wertvoll sein kann.

6. Fragen willkommen heißen

Kinder stellen wunderbare Fragen – und manchmal ziemlich schwierige.

„Warum beten wir?“

„Warum fasten wir im Ramadan?“

„Warum kann ich Allah nicht sehen?“

„Warum passieren traurige Dinge?“

Wir müssen nicht auf jede Frage sofort die perfekte Antwort kennen.

Ein ehrliches:

„Das ist eine gute Frage. Lass uns gemeinsam nach einer Antwort suchen.“

kann wertvoller sein als eine schnelle Antwort, bei der wir selbst unsicher sind.

Gerade bei religiösen Fragen sollten wir außerdem unterscheiden können zwischen dem, was wir sicher wissen, und dem, was wir erst nachschlagen müssen.

Damit vermitteln wir Kindern gleichzeitig etwas Wichtiges: Fragen sind erlaubt. Lernen darf ein gemeinsamer Prozess sein.

7. Kleine Familienrituale schaffen

Wiederkehrende Momente können dem Familienalltag Struktur geben und Gelegenheiten für gemeinsame Zeit schaffen.

Das könnte beispielsweise sein:

  • vor dem Schlafengehen gemeinsam eine Geschichte lesen,
  • gemeinsam eine kurze Duʿāʾ sprechen,
  • freitags bewusst einen besonderen Familienmoment schaffen,
  • über eine gute Tat der Woche sprechen,
  • oder sich regelmäßig erzählen, wofür man Alhamdulillah sagt.

Auch hier gilt: Diese Beispiele sind Ideen für den Familienalltag und keine religiös vorgeschriebenen Rituale.

Aus pädagogischer Sicht kann es besonders wertvoll sein, gemeinsames Lesen zu einem positiven Bestandteil des Alltags zu machen. Die American Academy of Pediatrics empfiehlt Eltern und Bezugspersonen gemeinsames Lesen bereits ab dem frühen Kindesalter und hebt dabei auch Gespräche rund um Bücher und Geschichten hervor.

Werte brauchen Zeit zum Wachsen

Islamische Werte zu vermitteln bedeutet nicht, dass ein Kind alles sofort verstehen oder perfekt umsetzen muss.

Kinder entdecken, fragen, beobachten und lernen Schritt für Schritt.

Als Eltern und Bezugspersonen können wir ihnen dafür einen Raum geben, in dem Wissen, Barmherzigkeit, Neugier und gemeinsame Erfahrungen miteinander verbunden werden.

Manchmal beginnt dieser Weg mit etwas ganz Kleinem:

einer Geschichte,
einer Frage,
einer guten Tat
oder einem gemeinsamen Alhamdulillah.

Gemeinsam entdecken

Bei Deen Drops möchten wir Familien dabei unterstützen, Kindern islamische Werte und Wissen auf liebevolle, verständliche und altersgerechte Weise näherzubringen.

Unsere Bücher sollen gemeinsame Momente schaffen – zum Lesen, Entdecken, Nachdenken und miteinander Sprechen.


Quellen & weiterführende Informationen

Islamische Quellen

  • Qur'an, Sūrah Ibrāhīm 14:7 – zur Dankbarkeit (Shukr).
    Qur'an 14:7 lesen
  • Jāmiʿ at-Tirmidhī 1920, Book 27, Hadith 26 – zur Barmherzigkeit gegenüber Jüngeren; auf der verwendeten Quelle als Hasan (Darussalam) ausgewiesen.
    Überlieferung nachlesen

Pädagogische Quellen

  • American Academy of Pediatrics (2024): Literacy Promotion: An Essential Component of Primary Care Pediatric Practice – zur Bedeutung gemeinsamen und interaktiven Lesens für frühe Beziehungen sowie sprachliche, kognitive und sozial-emotionale Entwicklung.
  • Center on the Developing Child at Harvard University: Serve and Return – zu responsiven, wechselseitigen Interaktionen zwischen Kindern und Bezugspersonen und ihrer Bedeutung für die frühe Entwicklung.

Hinweis: Die genannten Familienaktivitäten sind praktische Anregungen und nicht als religiöse Vorschriften oder als Ersatz für fachliche bzw. religiöse Beratung zu verstehen.

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